Buchreview : Girl on the train

28. September 2016

Heute gibt es eine echte Premiere auf dem Blog, nämlich eine Buchrezension.
Ich weiß nicht, ob ich jemals groß erwähnt habe, dass ich unheimlich gerne lese und wenn ich mal in Fahrt bin, wirklich ein Buch nach dem anderen verschlingen kann, aber so ist es.
Girl On The Train* ist kein neues Buch, sondern schon eine ganze Weile auf dem Markt, aber ich habe es bis vor Kurzem gar nicht auf dem Schirm gehabt. Neulich habe ich aber durch Zufall mitbekommen, dass die Story jetzt bald in die Kinos kommen soll und dachte, dass ich mich nun aber wirklich mal beeilen muss! Wenn der Stoff verfilmt wird, sollte er ja eigentlich wirklich gut sein!

Die Story

Die Hauptfigur des Buches ist Rachel Watson, eine Alkoholikerin Anfang 30, die so tief unten ist, dass sie öfter nicht mehr und wenn, dann nur verschwommen weiß, was zwischen dem letzten Glas am Abend und dem Aufwachen am Morgen passiert ist.
Ihr Alkoholismus war mitunter der Grund, weshalb ihr ehemaliger Mann Tom sich von ihr abgewendet und eine Affaire mit einer anderen Frau angefangen hat. Er trennte sich von Rachel und nur zwei Tage später zog die neue Frau, Anna, in das gemeinsame Haus mit ein, das Haus, das Rachel so sehr geliebt hat. Kurz darauf erfährt Rachel von Annas Schwangerschaft, was sie natürlich noch tiefer in die Verzweiflung stürzt.

Dass ihr täglicher Zug nach London direkt hinter diesem Haus vorbeifährt, macht es ihr nicht einfacher. Der Zug muss genau an dieser Stelle wegen Signalstörungen oft halten und um zu vermeiden, Anna mit dem Baby zu sehen, fixiert Rachel sich auf ein anderes Haus in der Straße, in dem Megan und Scott wohnen, ein kinderloses Paar, die in Rachels Phantasien das perfekte Leben führen. Für Rachel sind sie ein glückliches Paar, es ist eine vollkommene Liebe, wie sie sie früher hatte, das Glück, das sie endgültig verloren hat. "Sie sind Tom und ich vor fünf Jahren."
Doch eines Tages macht sie eine schockierende Beobachtung, die sie völlig aus der Bahn wirft, denn das perfekte Glück bekommt einen Sprung.

Einige Tage später verschwindet die Megan spurlos und Rachel hat das Gefühl, jemandem ihre Beobachtung mitteilen zu müssen. Andererseits klafft da eine gewaltige Erinnerungslücke an den Abend des Verschwindens von Megan, denn Rachel war mal wieder hoffnungslos betrunken und kann sich nicht erklären, woher die blauen Flecken und die Platzwunde an ihrem Kopf kamen...
Dennoch geht sie nicht einfach nur zur Polizei, wie es wohl jeder andere vernünftige Mensch getan hätte. Nein, sie mischt sich persönlich ein und verstrickt sich immer mehr in ein Netz aus Lügen.

Ungewöhnliche Charaktere

Ich hatte am Anfang wirklich Probleme mit dem Buch, vor allem deshalb, weil Rachel ein so ungewöhnlicher Hauptcharakter ist. Normalerweise kann man sich immer irgendwie mit der Hauptperson identifizieren, aber zu Anfang stieß mich Rachel einfach nur ab. 
Im Laufe der Handlung empfand eine seltsame Ambivalenz zwischen Abscheu und Mitleid, je mehr ich von ihr las und über sie erfuhr, desto mehr konnte ich mich in sie hineinversetzen, ihre Verzweiflung verstehen. Und dennoch, und das mag vielleicht überheblich sein oder auch nicht, Rachel hat mich die meiste Zeit unendlich genervt. Absolut außerstande, sich selbst endlich mal den notwendigen Tritt in den Allerwertesten zu verpassen oder es zumindest mal zu versuchen, ergeht sie sich permanent in Gejammer und Selbstmitleid, obwohl die Trennung schon zwei oder gar drei Jahre her ist. Ihr Bedürfnis nach Anerkennung empfand ich als fürchterlich nervtötend, dass sie sich einfach nicht aus den Dingen, die sie einfach nichts angehen, raushalten kann, hat mich zur Weißglut gebracht. Man stelle sich einen solchen Menschen im Real Life vor.
Verständnis und Mitleid für ihre Situation und das was ihr im Leben geschehen ist, auf jeden Fall - aber gerade das zeigt uns das Buch doch ganz offensichtlich: niemandes Leben ist perfekt und wir haben alle unser Päckchen zu tragen.
Rachel will sich nützlich fühlen und redet sich selbst in ihren weingetränkten Nächten ein, dass sie anderen eine große Hilfe ist, ja, dass sie Trost spenden kann und für Menschen da sein kann.
Die Menschen in ihrer Umgebung empfinden sie jedoch eher als lästig, als bemitleidenswertes Geschöpf, das allen eigentlich unendlich auf die Nerven geht, mit dem man aber aufgrund seiner weitreichenden Probleme und labilen psychischen Verfassung nicht allzu ruppig umgehen darf.



Paula Hawkins bekommt es aber sogar tatsächlich hin, dass unterm Strich kein einziger Charakter in dem Buch wirklich sympathisch ist. Alle haben Charakterzüge, die sie niemals offen ausleben würden, aber ihre Gedankenwelt zeigt die Abgründe. Bei allen.
Nehmen wir zum Beispiel die beiden anderen Hauptcharaktere, Anna und Megan, die ebenfalls aus der Ich-Perspektive erzählen:

Anna, die neue Frau ist meiner Meinung nach gewissenlos und vollkommen egoistisch, aber der Gedanke an die Illusion ihres perfekten Lebens und ihres perfekten Mutterglücks lässt sie Dinge tun, die für mich so völlig unverständlich und abstrus sind, dass es mich vor allem gegen Ende wirklich anwidert und absolut schockiert.

Megan hat in ihrem Leben auch einige harte Schicksalsschläge verkraften müssen, was bei ihr aber dazu führte, dass sie keinen Halt in ihrem Leben finden kann, rastlos ist und unglücklich. Selbst ihren eigenen Mann schließt sie von ihrem Seelenleben aus, weil sie glaubt, ihr Geheimnis wäre zu schrecklich, um es überhaupt jemandem anvertrauen zu können. Eigentlich ist sie fürchterlich einsam und versucht so immer wieder, die Leere zu füllen...

Aber auch die Männer, selbst die kleine Nebenrolle von Rachels Mitbewohnerin Cathy, die auch nach den krassesten Eskapaden von Rachel nicht in der Lage ist, sie vor die Tür zu setzen und immer wieder einknickt, alle haben Macken, die zumindest mich tierisch nerven.

Der Clou an der Geschichte ist: jeder könnte ab einer gewissen Stelle im Buch für das Verschwinden von Megan verantwortlich sein. Vielleicht hat sie sich auch einfach aus dem Staub gemacht, um ein weiteres Mal vor ihren Problemen wegzulaufen?

Mein Fazit

Man darf nicht mit falschen Erwartungen an das Buch herangehen, was bei mir kein Problem war, denn ich hatte absolut keine Ahnung, um was es darin ging. 
Obwohl ich das Buch regelrecht verschlungen habe, nachdem die Geschichte Fahrt aufgenommen hatte, ist es kein Thriller. Es war für mich nicht schockierend, es lauern nicht auf jeder Seite neue atemberaubende Enthüllungen. Aber es ist düster und die Stimmung ist sehr bedrückend.
Aber die Charaktere, so abstoßend und nervtötend sie auch teilweise sind, haben mich in den Bann gezogen. Keiner ist so wie er scheint, es geht um Eifersucht, Affären und Lügen über Lügen.


Mich hat das Buch sehr zum Nachdenken gebracht.
Kennen wir jemanden eigentlich jemals richtig? Woher wissen wir, ob  jemand sich uns voll anvertraut und öffnet oder ob es doch Seiten gibt, die man lieber nicht preisgibt?
Ich bin der Meinung, dass wir alle uns irgendwie nach Idealen sehnen, dass wir Vorstellungen haben, die es in der Realität vielleicht niemals geben kann. Und natürlich versucht jeder, zumindest nach außen die beste Version seiner selbst zu sein.
Am Ende ist es jedoch so: du weißt niemals, was hinter geschlossenen Türen vorgeht. Die Person, die am lautesten lacht, ist doch oft die unglücklichste. Die Person, die oft so stark und unerschütterlich wirkt, wird nachts von Selbstzweifeln und Versagensängsten geplagt.
Vielleicht sollten wir das öfter mal im Hinterkopf behalten, wenn wir mal wieder denken: "Oh wie gut hat XY es doch..."


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Caudalie Vinoperfect Serum

22. September 2016

[DIESER POST ENTHÄLT PR SAMPLES]

Die Marke Caudalie ist mir natürlich ein Begriff, aber ich muss zugeben, seit dem Eau de Beauté habe ich mit den Produkten noch keinen neuen Versuch gestartet.
So sympathisch mir Caudalie als sehr umweltfreundliche Marke auch ist, die übrigens auch Tierversuche ausdrücklich ablehnt und über eigene Wasseraufbereitungsanlagen verfügt, die Produkte sind leider größtenteils voll mit Duftstoffen, die ich ja nun versuche, so gut wie möglich zu meiden. Ein großes Problem bei vielen französischen Hautpflegemarken.
Nun wurden mir vor einer Weile zwei Produkte zum Testen zugeschickt und eines davon möchte ich euch heute doch mal vorstellen, da die Inhaltsstoffe gar nicht mal so meeega verkehrt sind.



Herstellerangaben

Die Nr. 1 gegen Pigmentstörungen
Dieses milchige Serum sorgt für mehr Ausstrahlung des Teints, korrigiert Pigmentflecken und beugt ihrem Entstehen vor. Die Haut erlangt ihre ebenmäßige Ausstrahlung zurück. 

Inhaltsstoffe Aqua, Butylene Glycol, Glycerin, Squalane, Tocopheryl Acetate, Ceteareth-20, Palmitoyl Grapevine Shoot Extract, Glyceryl Stearate SE, Bisabolol, Parfum, Caprylyl Glycol, Acrylates/C10-30 Alkyl Acrylate Crosspolymer, Potassium Sorbate, Xanthan Gum, Carbomer, Sodium Hydroxide, Sodium Phytate.

30 ml für 47,- € UVP 
(beim Preisvergleich im Internet teilweise deutlich günstiger!)

Der Wirkstoff: Viniferine 

Der Saft aus den Weinranken ist das leistungsfähigste natürliche Molekül gegen Pigmentstörungen und wirkt auf die Ausstrahlung des Teints.
In den Weinregionen verwendeten die Frauen früher den Saft aus den Weinranken, um Pigmentstörungen im Gesicht und an den Händen aufzuhellen - nun ist es gelungen, aus dem Saft einen reinen und natürlichen Wirkstoff zu isolieren: das Viniferine.

Bei in vitro Tests wurde nachgewiesen, dass Viniferine 62x wirksamer als Vitamin C, 4x mehr als Kojisäure und mindestens 13x mehr als Arbutin ist.



Meine Anwendung

Bei Seren habe ich zunächst immer Angst, dass sie eventuell zu reichhaltig sein könnten, bzw. nicht richtig einziehen und einen schmierigen Film auf dem Gesicht hinterlassen, weshalb ich sie zu Anfang immer nur abends benutze.
Diese Angst ist aber im Fall des Vinoperfect Serums total unbegründet, denn die milchige, eher flüssige Textur zieht sehr schnell und vollständig ein. Tatsächlich ein Serum, welches man tagsüber auch unter dem Makeup auftragen kann.
Durch die Pipette fällt die Dosierung sehr leicht - ich gebe immer einen Tropfen auf die Stirn und jeweils einen auf die linke und die rechte Wange.
Natürlich fällt einem, gerade wenn man eigentlich ausschließlich geruchsfreie Produkte benutzt, direkt der Duft auf. Ich kann ihn nicht wirklich einordnen, er soll wohl frisch und natürlich riechen. Ich jedoch könnte - surprise, surprise - sehr gut darauf verzichten, auch wenn er nicht extrem penetrant und unangenehm ist. Aber nun ja - wenigstens ist "nur" Parfum und nicht noch drölf andere Duftstoffe enthalten.

Meine Erfahrungen

Während der ersten Tage merkte ich keinen signifikanten Unterschied. Das Serum fühlte sich gut auf der Haut an, allerdings nicht großartig feuchtigkeitsspendender als andere Produkte. Ich hatte keinerlei negativen Hautreaktionen wie Pickel oder trockene Hautstellen. Nice to have, aber dafür 47€ ausgeben?
Nach einer Weile fiel mir aber morgens auf, dass meine Haut tatsächlich irgendwie gesünder, strahlender aussah und ich dachte: "Mann, endlich lässt der Hochzeitsstress nach und die Haut wird besser...". Dass es an dem Serum liegen könnte, kam mir gar nicht in den Sinn.
Aber wenn ich so darüber nachdenke - klar, ich bin momentan weniger gestresst, aber in meiner Hautpflege geändert habe ich tatsächlich nur dieses Serum. 
Seit ich es benutze, sind die Rötungen im Gesicht um einiges zurückgegangen und ich habe auch den Eindruck, dass Pickelmale schneller verblassen. Ob es dunkle Flecken aufhellt, vermag ich nicht mit Sicherheit zu sagen, denn durch den Sommer habe ich wieder eine Unmenge an Sommersprossen bekommen, die mir eine Beurteilung ziemlich erschweren.
Insgesamt hat meine Haut hat mehr Ausstrahlung bekommen und der Teint wirkt frischer und wacher.



Mein Fazit

Ob ich mir das Serum nachkaufen würde? Ich weiß es nicht genau.
Wirkstoffmäßig enthält es außer dem Viniferine eigentlich nichts nennenswertes mehr außer Vitamin E, das aufgrund der Darreichungsform quasi verpufft. Ob der Preis damit zu rechtfertigen ist - keine Ahnung, ich befürchte ja, eher nicht. Außerdem stört mich natürlich das Parfum darin.
Auf der anderen Seite: es funktioniert und das ist ja eigentlich die Hauptsache, oder?
Ich denke, dass man für das Geld durchaus ein besser formuliertes, womöglich sogar reizfreies Serum bekommen kann.
Allerdings mag ich die schnell einziehende Konsistenz wirklich gerne und ich bin auch der Meinung, dass sich seit ich es benutze, was bei meiner Haut getan hat.
Also was jetzt, nachkaufen oder nicht? Ich persönlich würde mir die erneute Investition wahrscheinlich zunächst sparen und einem besser formulierten Produkt Ausschau halten.

Ansonsten kann ich nur dazu raten: schaut es euch selbst an, probiert es aus, wenn euch der Preis nicht abschreckt. Denn auf der anderen Seite ist es doch auch so: was bringen mir 100 supertolle Inhaltsstoffe, wenn ich damit keinen Unterschied bei meiner Haut sehe?



Worth the hype? Morphe 35O Palette

16. September 2016

In Sachen Lidschatten bin ich wirklich gut versorgt. Wirklich. Deshalb merke ich auch mittlerweile (glücklicherweise), dass mich nicht mehr so viele Produkte reizen, wie noch vor zwei Jahren. 
Ein paar wenige Paletten wie zB die Lorac Pro stehen zwar nach wie vor auf meiner Wunschliste, aber es kommen immer seltener neue Wunschprodukte dazu.
Doch vor kurzem konnte ich endlich einen Punkt auf besagter Wunschliste abhaken: die Morphe 35O Palette. Gefühlt ganz Youtube hat sie in den Himmel gelobt, nachdem Jaclyn Hill einen riesigen Hype ausgelöst hatte und ich gebe gerne zu: seit ich sie zum ersten Mal gesehen habe, war klar, dass ich sie haben muss.

Die Palette ist nach wie vor unfassbar schwer zu bekommen, vor allem, wenn man wie ich nicht einsieht, den unglaublich hohen Versand von über 20 $ bei Morphe direkt zu bezahlen. Ich vermute aber auch mal, dass da ein gewisses Kalkül von Morphe dahintersteckt, denn so schnell wie die Palette immer wieder ausverkauft ist, scheinen nie allzu große Stückzahlen produziert zu werden. Ob das produktionstechnisch einfach nicht anders möglich ist oder pure Berechnung der Grund dafür ist - mich nervt das eigentlich tierisch. Vor allem hat sich das Prinzip der (mutmaßlich) künstlichen Verknappung durchgesetzt und gehört bei vielen anderen Marken wie Kylie Cosmetics oder Jeffree Star (um die zu nennen, die mir besonders krass auffallen) quasi zur Verkaufsstrategie, meiner Meinung nach nur, um die "Exklusivität" überhaupt erst zu gewährleisten. Was diese Marken im Übrigen nicht gerade sympatisch macht - aber das ist nur meine bescheidene Meinung. 
Zurück zum eigentlichen Thema.


Ich habe die Palette bei Beautybay in UK bestellt und dafür ca. 24 € bezahlt. Bei Beautybay bezahle ich mittlerweile trotz kostenlosem Versand ab 18 € immer freiwillig 2,20 € für Tracked Shipping, da ich dann mein Paket innerhalb weniger Tage bekomme, anstatt zwei Wochen und länger darauf zu warten.
Die Palette war gut verpackt, einmal mit Luftpolsterfolie im Paket von Beautybay und die Palette selbst befand sich mit einem weiteren Luftpolsterumschlag in einer Pappumverpackung. Da sollten Transportschäden also wirklich so gut wie ausgeschlossen sein.

Für die 24 € bekommt man 35 Lidschatten in einer billigen, spiegellosen Plastikpalette mit dem Morphe Logo, die an die ganz alten Zoeva Paletten erinnert. 
Das Plastik sieht leider nach wenigen Malen der Benutzung schon recht mitgenommen aus, es bleiben Fingerabdrücke und Makeup-Patzer zurück und irgendwie habe ich es auch geschafft, den Boden bereits zu zerkratzen. Aber okay, irgendwo muss man ja sparen und es kommt ja wie immer auf die inneren Werte an.


Sehr auffällig sind natürlich die tollen Orange- und Rottöne auf der rechten Seite der Palette, die sofort ins Auge springen.
Denkt man sich die weg, besteht die Palette aus hauptsächlich warmen Braun- und Goldtönen, aber auch einige kühle Nuancen sind zu finden, sie ist also perfekt für alle Liebhaberinnen von neutralen Farben. Für mich sind aber natürlich gerade die orangenen, rötlichen Töne, bzw. die Kombination mit ihnen der Kaufgrund. Mittlerweile sind ja doch einige Marken auf den Rot-Orange-Trend-Zug aufgesprungen, aber als die 35O damals erschien, war diese Farbzusammenstellung vor allem für diese Preiskategorie sehr außergewöhnlich und besonders.
Mit 35 Farben in einer einzigen Palette ist man dazu noch ziemlich gut aufgestellt und ehrlich gesagt, fehlt eigentlich nur noch ein Schwarz und man könnte mit nur dieser einen Palette auf immer und ewig auskommen (wobei die Betonung auf könnte liegt)!

Aber nun zu den Swatches. Ich habe noch nicht alle Töne der Palette benutzt, deshalb kann ich euch in Sachen Auftrag am Auge nur zu einigen Farben was sagen, aber ich denke, dass dies ziemlich repräsentativ für die übrigen Farben ist. Denn ihr müsst immer bedenken, auch wenn ihr euch andere Posts oder Youtube Videos anseht: ein Swatch ist einfach nicht dasselbe wie der Auftrag und das Verblenden mit einem Pinsel am Auge. Behaltet das immer im Hinterkopf!

Swatches Reihe 1

Hier könnt ihr schon ganz gut erkennen, dass es schon bei den Swatches Intensitätsunterschiede bei den matten Farben gibt. Und nehmen wir jetzt z.B. die erste Farbe, diesen schönen Cremeton, dann wird der beim Swatchen zwar sehr schön sichtbar, auf dem Auge nimmt man ihn allerdings kaum wahr. Das liegt zum einen daran, dass mein Lid momentan deutlich heller ist, als mein Arm, zum anderen aber auch, weil sich die Farbe beim Auftrag mit dem Pinsel total schnell verliert. 
Finde ich persönlich nicht schlimm, weil ich sie eher als "Radierer" beim Blenden verwende, aber es ist ein ganz gutes Beispiel. 

Swatches Reihe 2

Einer der besondersten Töne der Palette ist wohl die zweite Farbe aus dieser Reihe: ein vom goldenen ins rosane changierender Duochrome-Ton mit einem wirklich tollen Effekt. 
Generell sind die schimmernden und die satinierten Farben der Palette alle sehr gut pigmentiert und einfach aufzutragen.

Swatches Reihe 3


Swatches Reihe 4


Swatches Reihe 5

Aus dieser Reihe habe ich einige Brauntöne, sowie die letzte Farbe benutzt. Dem hochintensiven, metallischen Effekt konnte ich nicht lange widerstehen. 
Leider zeigte sich dabei, dass gerade diese Töne zwar wunderbar zu swatchen sind und an sich auch wunderbar aufs Lid zu bringen sind, dabei aber wirklich starken und groben Fallout produzieren. Wenn ihr also einen dieser Töne benutzen möchtet, solltet ihr eure Foundation erst nach dem AMU machen oder ein Kosmetiktuch unters Auge halten, denn auch eine Korrektur mit Concealer nach dem Schminken des AMUs hat die Sache für mich nicht mehr wirklich gerettet.
Die matten Farben und das satinierte Rot aus dieser Reihe sind zwar qualitativ unterschiedlich, aber alle gut zu gebrauchen, vor allem das Rot ist wirklich toll.
Der erste Ton aus der Reihe allerdings ist für mich als einziger aus der Palette absolut unbrauchbar, da er extrem hart gepresst ist und kaum Farbe abgibt. Ich habe ihn noch nicht am Lid verwendet, befürchte aber - sollte er sich überhaupt auftragen lassen - einiges an grobem Glitzer-Fallout.


Mein Fazit

Ich möchte nicht behaupten, dass jeder einzelne Lidschatten in der Palette eine 1a Qualität hat, super pigmentiert ist, einfach aufzutragen, ohne Fallout etc. Das wäre auch einfach nicht wahr.
Obwohl die meisten Farben wirklich gut sind und gerade die gut pigmentierten matten Töne mich begeistern, gibt es auch ein paar, die etwas schwächer auf der Brust und eher staubig sind, eine, die total fest gepresst ist und kaum Farbe abgibt und die krass metallischen Farben haben leider wirklich starken Fallout.
Trotzdem finde ich die Palette insgesamt gut, denn man kann mit allen Farben vernünftig arbeiten und etwas aus ihnen herausholen.

Ob sie qualitativ aber den extremen Hype wert ist, den sie immer noch erfährt, das bezweifle ich ein wirklich.
Ich habe mich schon oft gefragt, ob Morphe Brushes eigentlich kein einziges Produkt macht, mit dem die Youtube Menschen nicht ganz so zufrieden sind, findet man doch eigentlich keine einzige schlechte oder wenigstens minimal kritische Review. Großartig weiter darüber nachgedacht habe ich nicht, denn eigentlich ist es ja auch wieder wurscht. Ich wollte ja nur diese eine Palette haben und nicht meinen kompletten Monatslohn da hintragen.
Aber das Thema Youtube-Hypes zu behandeln, würde jetzt zu weit führen und ist wohl eher Stoff für einen eigenständigen Blogpost. Mal sehen.

Was ich euch jetzt im Bezug auf die Palette sagen möchte?!

Ich würde sie wieder kaufen. Sie ist qualitativ nicht die allergrößte Offenbarung, aber ich finde sie im Großen und Ganzen betrachtet wirklich gut. Für den Preis über Beautybay werde ich sicherlich nicht meckern und finde mich mit einigen weniger guten Lidschatten darin einfach ab.
Die Farbzusammenstellung finde ich nach wie vor fantastisch und für meine alltäglichen Ansprüche an Lidschatten ist die 35O mehr als ausreichend!

Hattet ihr schon die Chance, sie zu testen oder vielleicht auch andere Produkte von Morphe? Was haltet ihr von dem ganzen Youtube Hype?